Umgangsformen

Der kleine BDT-Knigge für sicheres Auftreten

Ein jeder ist sich in einer bestimmten Situation oder in einer fremden Umgebung schon mal unsicher darüber, wie sich etwas gehört oder wie man sich benimmt. „Keiner weiß alles". Doch fragen ist erlaubt, denn kein Mensch braucht unwissend zu bleiben und „dumm zu sterben". Diese Hinweise sollen an erster Stelle unsere Jugendlichen und Jungerwachsenen ansprechen und ihnen ein paar nützliche Tipps für den Alltag bieten.

Nobody is perfect!

Umgangsformen sind eine ernst zunehmende Angelegenheit und trotzdem beschreiben wir die Themen mit einem Schmunzeln. Warum nicht? Wie im Tanzunterricht werden wir auf den folgenden Seiten nicht immer alles „tierisch ernst" nehmen. Das Wichtigste ist, daß Ihr wißt, wann der Spaß aufhört und es im Leben ernst wird! Wir haben für Euch einmal Eure eigenen und häufig gestellten Fragen bearbeitet und nach den heute gültigen Maßstäben beantwortet.

DIESES WISSEN SCHADET GARANTIERT NICHT! KLICK DICH DURCH.

Grüßen und Begrüßen

HEUTE GRÜSST ZUERST, WER DEN ANDEREN ZUERST WAHRNIMMT.

Als Erster grüßen ist niemals falsch! Oder willst Du lieber als „scheu“oder „sturer Bock“, oder als unerzogen und unfreundlich gelten? Die Allgemeinregel ist: „Er“ grüßt „Sie“, wesentlich Jüngere grüßen wesentlich Ältere, wer kommt, sagt zuerst „Hallo“ oder „Guten Tag“ usw., wer geht, sagt „Tschüs“ oder „Auf Wiedersehen“, Mitarbeiter grüßen die Vorgesetzten und Chefs.

Unter Schülern und Jugendlichen gibt es heute verschiedene Begrüßungsrituale, doch in die Gesellschaft von Erwachsenen reicht man (in unserem Kulturkreis) sich üblicherweise die Hand. Bei einer Begrüßung wie oben beschrieben, geht es reihum und in umgekehrter Reihenfolge: „Sie“ reicht „Ihm“ die Hand, Ältere reichen Jüngeren die Hand, Vorgesetzte reichen Mitarbeitern die Hand. Beim Verabschieden gilt es, sich vom Gastgeber zuerst zu verabschieden (damit dieser über Dein Vorhaben zu gehen, zuerst informiert ist ), dann geht man herum, oder sagt einfach zwanglos „Tschüs“ oder „Aufwiedersehen“ in die Runde.

Andere Begrüßungsrituale als nur das „Hallo“ oder „Guten Tag“-sagen - wie z.B. der Händedruck - pflegt man meist nur, wenn man sich nicht persönlich kennt. Man reicht sich die Hand nur einmal pro Tag: zur Begrüßung und/oder zum Abschied. Nicht bei jedem erneuten Begegnen in den Gängen oder auf der Straße. So verhält sich das auch beim Grüßen und Verabschieden von Personen mit Hut. Der korrekte „Herr“ nimmt zu der Begrüßung den Hut ab (er „lüftet“ ihn: ca. 5 cm hochnehmen) oder er berührt zur Begrüßung den Hutrand. Beachte: Beim Hände geben weder sein Gegenüber „durchschütteln“ oder die Hand „zerquetschen“, das ist wohl selbstverständlich!

Vorstellen und Bekannt machen

Heute macht man sich meist nur noch formlos bekannt: "Hallo/Guten Tag" usw., ich bin der Andreas/ich bin die Andrea..." Ein formelles "Vorstellen" findet meist nur noch statt, wenn man einem älteren Vorgesetzten oder einer wichtigen Persönlichkeit begegnet. "Er" wird "Ihr" vorgestellt, der jüngere wird dem Älteren vorgestellt, Mitarbeiter werden Vorgesetzten vorgestellt und der neue Arbeitskollege wird den anderen Kollegen vorgestellt.

Das formlose "Bekannt machen" findet statt zwischen: Schülern und Jugendlichen, gleichaltrigen Herren, gleichaltrigen Damen, gleichaltrigen Eheleuten und unverheirateten Paaren und am Arbeitsplatz zwischen gleichrangigen Personen. Das "Verbeugen" der Diener für den Herren und der Knicks für die Dame ist OUT und nur noch bei höchst offiziellem Anlass erwünscht (Protokoll, z.B. Hofknicks), das höfliche Nicken mit dem Kopf ist OK. Ein freundliches Gesicht ist ein MUSS und wenn die Situation danach ist: ein Lächeln ist SUPER.

"Vergiss nie... Der erste Eindruck (privat und beruflich) ist - wenn es auch oft ein Vorurteil ist - meist  entscheidend !"

Im Übrigen, Titel sind nicht mehr zeitgemäß: Floskeln wie "Herr Studienrat", "Herr Ingenieur" usw. sind OUT. Nur "Herr Doktor" und "Herr Professor" bleibt nach wie vor gern gehört, vor allem von älteren Akademikern, außerdem sollte man beachten, daß ein Doktortitel fester Bestandteil des Namens ist.

Bei Personen in Amt und Würde ist es auch heute üblich, beim Ansprechen den Titel - meist statt dem Namen - zu verwenden, wie z.B.: bei Gericht oder im Verband und Verein "Herr Präsident" oder "Herr Vorsitzender". Bist Du Dir unsicher, wie Du jemanden ansprechen sollst, dann erkundige Dich bei Bekannten oder frage einfach die Person gleich selbst: "Wie werden Sie gerne angesprochen, oder: "Wie darf ich Sie bitte ansprechen...". Das nimmt Dir Keiner übel. Im Gegenteil.

Sich selbst vorstellen?

Das "Vorstellen" oder "Bekannt machen" erfolgt stets durch Dritte.

Müsst Ihr Euch einmal selber vorstellen, dann ist folgendes zu beachten: Als Jugendlicher oder Jungerwachsener sagt der junge Mann informell: "Guten Morgen/TagAbend ich bin Andreas" oder "Andreas Müller". Das junge Mädchen oder die unverheiratete junge Frau sagt: "Guten Morgen/TagAbend ich bin Andrea Lüdenscheid".

Später, wenn die Andrea Lüdenscheid verheiratet ist, sagt Sie: "Ich bin Frau Müller". Heute hat die verheiratete Frau gleich mehrere Möglichkeiten, sich vorzustellen: mit dem Familiennamen Ihres Mannes (also Müller), mit einem Doppelnamen (Frau Müller-Lüdenscheid) und neuerdings - wenn Sie es so wünscht - weiterhin mit Ihrem Mädchennamen "Lüdenscheid".

Telefonieren mit Stil

„HALLO...?!" Sich so zu melden ist unhöflich. Meldet Euch immer mit Euerem Namen am Telefon. Es ist ungenügend und auch unfreundlich nur „Hallo" zu sagen, wenn man angerufen wird. Ausnahme: Habt ihr Zuhause eine Geheimnummer ( das gibt's immer öfter ) sagt bitte z. B.: „Guten Tag, wer spricht bitte...?" Auch wenn man selber der Anrufer ist, sollte man seinen Namen sagen! Eine Stimme am Telefon klingt oft fremd und wird nicht immer und von jedem direkt erkannt. Laß´den Angerufenen nicht unnötig raten, das bringt ihn in Verlegenheit oder macht ihn ungeduldig.

Melde Dich geschäftlich - aber auch im privaten Bereich - am besten wie folgt:
„Guten Tag, Andreas am Apparat...", oder - „Guten Morgen, Firma Müller-Lüdenscheid, Andreas / Andreas Müller / „Müller" am Apparat..." Spreche nicht zu schnell, artikuliere (spreche) deutlich und nimm Dir gerade für diesen ersten Kontakt Zeit ! Der Anrufer / der Angerufene möchte gerne wissen, mit wem er es zu tun hat. Beginne immer mit einem freundlichen „Guten Morgen", „Guten Tag" oder „Guten Abend". Mache dann eine winzig kurze Pause... Der Angerufene kann sich jetzt auf den Anruf als solches und auf die Stimme und Person am anderen Ende einstellen. Ob Du jetzt erst Deinen Namen oder gleich den Namen Deiner Firma oder Deines Arbeitsplatzes nennst, ist davon abhängig, ob der Anruf privater oder geschäftlicher Natur ist und ob Dir die Person gegenüber dazu noch persönlich bekannt ist. Die Regel ist: das - für den Angerufenen- Bekannteste oder Wichtigste als letztes. Für den Anrufer gilt das Gleiche.

„Schwierig zu verstehen ?" OK... Andreas und Andrea müssen wieder herhalten; hier ein Beispiel: Andreas ruft die Andrea an. „Hallo Andrea, hier spricht Andreas, rufst Du mich bitte mal im Betrieb zurück wegen dem laufenden Beispiel". „Klar Andreas, nach der Mittagspause wenn´s Dir recht ist..." Danke Andrea, tschüss" „Tchüss Andreas...". Andrea ruft Andreas im Betrieb zurück, der Anruf wird angenommen; „Guten Morgen... (kurze Pause) ...Tanzschule Sehrkorrekt, Verena Sehrkorrekt am Apparat..." „Guten Morgen Frau Sehrkorrekt, hier spricht Andrea Lüdenscheit, ist Andreas in der Nähe ?" „Hallo Andrea... Ich schau mal, Moment bitte..." „Guten Morgen, Andreas Müller, wer spricht bitte..." Hallo Andreas, hier spricht Andrea, ich sollte Dich zurückrufen. War Dir dieses Beispiel recht ?" Es war Andreas recht.

Beispiel 2: Der Vertreter: „Guten Tag, Tanzschule Sehrkorrekt, Verena Sehrkorrekt am Apparat". „Guten Tag Frau Sehrkorrekt... (kurze Pause) ...hier spricht Heinz Ketchup, von der Firma Kaltimbiss, Sie kennen mich noch nicht, ich erhielt Ihre Telefonnummer von Ihrer Kollegin Frau Tanzbein von der Firma Glanzpaket". Das restliche Gespräch war eher unwichtig für dieses Beispiel. Beispiel 3: Der nächste Vertreter: „Guten Abend, Tanzschule Sehrkorrekt, Vererna Sehrkorrekt am Apparat". „Guten Abend Verena... (kurze Pause) ...die Firma Gemüsefritz, Peter Sellerie am Apparat". „Ach Hallo Peter, es tut mir Leid, aber Du rufst gerade während eines Tanzkurses an, kann ich Dich später zurückrufen ?" „Entschuldige die Störung Verena, aber das ist nicht unbedingt nötig, es war nur ein Beispiel. Ich rufe Dich Morgen früh an, OK ?" „Danke für Dein Verständnis Peter, tchüss..." „Tchüss Verena, bis Morgen..." Ungefähr so sollte es sein.

Und so soll es nicht sein (passiert dennoch vielfach)

Schlechtes Beispiel: Heinz Ketchup, der Vertreter von eben, ruft an... das Telefon klingelt und klingelt (es dauert eine Ewigkeit). Dann erklingt „Hallo...". „Guten Morgen... (kurze Pause) ...es spricht Heinz Ketchup von der Firma Kaltimbiss, mit wem spreche ich bitte ?" „Tanzschule Keineahnung !" „Und wer spricht bitte ?" „Wieso, was wollen Sie von uns ?" „Ich hätte gerne den Geschäftsleiter von Ihrem Betrieb gesprochen". „Ja... der spricht, jetzt sagen Sie mal, was Sie wollen !" Heinz will schon längst nicht mehr, aber er muß, es ist sein Job.

Das Prinzip ist Euch jetzt klar ? Ihr wißt jetzt, mit welchen Worten Ihr Euch melden sollt. Ausnahme: In der Firma bestimmt in erster Linie der Chef, wie Du Dich am Telefon melden sollst. Wenn Ihr in Euerer Arbeit viel telefonieren müßt, ist es ratsam, einen Kurs „Gesprächstechnik an Telefon" zu besuchen. Euere Firmengeschäftsleitung (oft werden die Kosten für Kurse vom Betrieb übernommen) oder auch der Tanzlehrer kann Euch beraten.

Aufgepaßt: Tätige keine Anrufe vor morgens 09.00 Uhr und nach abends 22.00 Uhr. Ausnahmen sind die international abweichende Ortszeit, branchen- und firmenspezifische Geschäftszeiten oder Telefonate mit Bekannten, Freunden und Familie, bei denen Du weist, daß es ihnen recht ist. Zu bedenken ist auch folgendes: Frühaufsteher (z.B. auf dem Lande) und Grufties gönnen sich ein Gesundheits- oder Schönheitsschläfchen kurz „die Mittagsruhe" (meist zwischen 13:00-15:00 Uhr). Kennt Ihr den Spruch: „Nach dem Essen soll man sollst Du ruhen oder tausend Schritte tun..."(Joggen ist wohl eher die Ausnahme), oder auch „Nach dem Essen liegt Opa auf dem Sofa". Die Redensart zeigt eine überaus bequeme Alternative und gilt dazu noch als gesund. Ratsam, dies beim Wählen von privaten Anschlüssen zu beachten. Bei geschäftlichen Telefonaten - Anruf bei einem Betrieb - gibt es keine „Mittagsruhe", wohl aber die übliche Mittagszeit. Meist ist zwischen 12.00 Uhr und 13.00 Uhr (gleitend) keiner zu erreichen.

Wählst Du eine falsche Nummer oder wirst Du falsch verbunden - ob es nun am Anrufer oder an der Technik liegt, ist egal - melde Dich korrekt und wenigstens mit: „Entschuldigung, ich habe falsch gewählt /...ich wurde falsch verbunden / durchgestellt". Du „brichst Dir keinen ab" bei so einer „Entschuldigung". Bedenke: der Angerufene kann nichts dafür und er wird wegen der falschen Verbindung auch noch in seinen Tätigkeiten oder seiner Ruhezeit gestört ! Schon deshalb ist eine Entschuldigung fällig.

Vergesse niemals: Das Telefonieren ist immer mehr oder weniger ein Einbruch in die Privatsphäre eines Anderen, kurz gesagt: eine Störung ( egal ob man sich letztendlich über Deinen Anruf freut ). Siehe dazu auch das nächste Kapitel.

Das Handy klingelt!

Eine wunderbare Erfindung und eine Grausame zugleich ! „Jedem sein Handy" ertönt es in der Werbung. „Um Gottes Willen!" Erreichbarkeit für alle... An sich gerne, aber nicht immer und vor allem nicht überall.

Heute kann sich fast jeder „Blödmann" ein Handy leisten; es ist längst kein Statussymbol mehr. Überall und immer mit Deinem Handy herumzufuchteln ist genauso „doof" wie mit dem Markenetikett außen auf der Ärmel Deines ersten Sakkos herum zu spazieren. Wenn Du mit einem Handy das Haus verlassen willst, weil Du z.B. für Deine große Liebe erreichbar sein möchtest oder nach Hause anrufen willst - damit die Eltern sich nicht unnötig Sorgen machen, wenn es mal später wird - dann ist das an sich OK. Aber das „mit dem Mobiltelefon herum stolzieren" ist OUT. Handys können sehr nützlich sein, manchmal sogar lebensrettend. Es gibt einen Personenkreis, wie z.B. Ärzte und Menschen in Helferberufen mit Erreichbarkeitspflicht, die fast immer und überall erreichbar sein müssen. Doch sie müssen andere nicht nerven! Wichtig ist beim telefonieren und angerufen werden, daß Du unbedingt Rücksicht ( diesen Begriff werden noch manchmal verwenden ) auf Andere nimmst.

Handy-Verbot: Keine Handys oder Mobiltelefone (außer Stummschaltung, Mobilbox usw. ) bei: Beerdigungen, im Krankenhaus, am Steuer, im Flugzeug, während Kino- oder Theaterbesuch, beim offiziellen Festakt, in Seminaren, Vorträgen oder Vorlesungen!!!

Einige Unternehmen aber auch Restaurants haben schon Handy-freie Zonen eingerichtet, da die Handy-Auswüchse inzwischen eine immer schlimmere Form angenommen haben. Mußt Du erreichbar sein und klingelt das Mobiltelefon, dann gilt es sich bei den Anwesenden kurz zu entschuldigen und sich zurückzuziehen, damit keiner von dem Anruf belästigt wird.

Willst Du jemandem anrufen und wählst Du dazu einen Mobilnummer ( fängt in Deutschland meist mit: 0171.., 0172.., 0177,.. an ), dann frage, nachdem sich der Angerufene gemeldet hat, immer erst ob man nicht stört ! Man weis ja letztendlich nicht, wo der Angerufene sich gerade befindet ( z.B.: beim Arzt, beim Kunden ) und in welcher Situation ( z.B.: im Unterricht, während einer Besprechung, in einer schwierigen Verkehrssituation)! Sagt der Angerufene: „es paßt im Moment schlecht", sage gleich: „Ich rufe später zurück". Warte kurz auf eine eventuelle Reaktion und breche danach die Verbindung direkt ab.

Bedenke: Erreichbarkeit ist OK, aber Wichtigtuerei und Rücksichtslosigkeit sind OUT ! Im übrigen ist es seit März´99 verboten im Auto (während des Lenkens eines Fahrzeugs) zu telefonieren. Eine Ausnahme ist das „Handfree"-telefonieren (ohne die Hände vom Lenkrad zu nehmen) telefonieren; telefo-nieren mittels einen „Carkit" (Autoeinbausatz mit Mikrofon und Lautsprecher).

Wer zuerst kommt...

Wie im Straßenverkehr gibt es auch im zwischenmenschlichen Verkehr Regeln wie: „rechts vor links", „alt vor jung" und „Dame vor Herr". Insbesondere handelt es sich bei diesem Thema um Rücksicht anderen gegenüber. Auch auf dem Bürgersteig solltest Du „rechts vor links" gehen lassen; so tritt man sich am wenigsten gegenseitig auf die Füße. Steht Dir jemand im Wege, gehe immer hinten an der Person vorbei. Ist dies nicht möglich, sage „Entschuldigung," bevor Du vor der anderen Person vorbei gehst.

Aus Respekt den Älteren und Senioren gegenüber gilt auch heute noch „Alter vor Schönheit (?!)"; gebe immer erst dem Älteren den Vortritt. Lehnt er dankend ab, gehe ohne zu zögern vor.

„Selbst ist die Frau!" Nach dieser Überzeugung lebt und verhält sich die moderne Frau. Was früher noch einen „Emanze" ( die emanzipierte Frau der 80er-Jahre ) war, ist heute eine junge, selbstsichere und unabhängige Frau. Unabhängig oft auch von altbekannten Regeln wie: „Dame vor Herr". Dieses emanzipierte Mädchen oder diese Frau zieht es meist vor, sich selber in den Mantel zu helfen, sich selber die Türe zu öffnen und in der Straßenbahn stehen zu bleiben, anstatt sich von einem Herrn einen Sitzplatz anbieten zu lassen.

Ausnahmen bei dieser neuen Selbstsicherheit sind meist Frauen älteren Semesters. Diese Damen erfreuen sich wohl noch über Euere (wohlgemeinte) charmante Rücksicht und über ihre „schwache Weiblichkeit".

Selbstverständlich nehmt Ihr bitte gleichermaßen Rücksicht auf Schwangere, Gebrechliche und Schwerbehinderte.

Rein und raus

Wie beim „rechts vor links“ ist es mit dem „rein und raus.“ Ein paar Regeln müssen sein, sonst gibt es Chaos.

„Heraus“ kommt vor „herein“; der Bus, die Straßenbahn, der Zug, der Fahrstuhl: erst den „Aussteigern“ Platz machen, dann selber einsteigen und das ohne Ausnahme! Wie kannst Du aussteigen, wenn alle Dich beim Einsteigen zurückschieben ? „Klingt irgendwie logisch oder... ?“ „Also erst die Leute aussteigen lassen und dann erst einsteigen“; zuerst denen, die das Geschäft, das Bürogebäude oder das Restaurant verlassen möchten die Gelegenheit zum Heraustreten geben, dann selber hinein gehen.

„Die Ausnahme bestätigt die Regel“ heißt es und so soll es hier wohl Ausnahmen geben: „Älteren, Senioren usw. - wie vorhin - solltest Du „Vorfahrt“ anbieten und wenn es draußen gießt, ist es schon nett, wenn Du die Person vor der Türe schnellstmöglich hereinläßt...

Wie bei allen bis jetzt beschriebenen Themen und auch bei allen weiteren Themen ist eines zu beachten: wie modern, jung und cool wir auch sind, man sollte Menschen, die dem Alter nach unsere Eltern oder Großeltern sein könnten, immer einen gewissen Respekt entgegenbringen und folgendes nicht vergessen:
Manche zeitgenössische Veränderung, moderne Umgangsformen und neue Sitten sind an den „Gruftis“ vorbeigegangen. Möchtest Du Dir bei diesem Personenkreis einen gewissen Respekt verdienen, ist es zeitweise besser und sicherer sich der altbewährten Etikette zu bedienen; Rücksicht und ein wenig Charme tut Wunder!

Auf und nieder

In der Vergangenheit erhob sich der Herr, wenn er von einer stehenden Person angesprochen oder begrüßt wurde. Auch heute ist dies angebracht.

Vergiß nicht Dein Sakko, Dein Jackett (wenn Du Dir schon die Mühe machst, eines zu tragen) zu schließen, oder wenigstens das Schließen anzudeuten, indem Du es mit der linken Hand zuhältst wenn Du aufstehst, und den Knopf bzw. die Knöpfe wieder zu öffnen wenn Du Dich setzt. "Tja... Das hat man davon wenn der Mann seriös und elegant gekleidet erscheinen will".

Laß Dich aber von solchen Regel nicht abschrecken und trage ein Sakko mit Schwung und voller Überzeugung.

Die Dame erhebt sich nicht bei der Begrüßung. Sie bleibt üblicherweise sitzen wenn sie angesprochen oder begrüßt wird (nur die jungen Mädchen stehen auf, wenn sie von Erwachsenen begrüßt werden). Alle Mitarbeiter erheben sich vor Vorgesetzten, es sei denn, die Chefin oder der Chef bestimmt anders.

Vortritt lassen

Nach alter Sitte geht läßt man der Dame immer den Vortritt.

Ausnahmen:
Durch einen Drehtüre immer erst der Herr,in einem Gedränge macht der Herr Platz für die Dame, die Treppe hinab geht der Herr vor (die Treppe hinauf geht die Dame vor), die bekennende emanzipierte Frau (siehe auch Thema: Rechts vor Links), durch eine besetzte Stuhl- oder Bankreihe.

Bitte beachtet hier, daß Du immer mit dem Gesicht (nicht mit Deinem Hintern !) zu den in der eigene Reihe sitzenden Personen durchgehst und das mit einem freundlichen „´tschuldigung!" Ausnahme: In der Kirche geht man immer mit dem Gesicht zum Altar durch die Reihen.

Die Mädchen und Damen sollten darauf achten, daß sie den Jungs und den Herren die Möglichkeit nicht nehmen voran bzw. voraus zu gehen. Die emanzipierte Frau sollte von Anfang an freundlich aber deutlich zu erkennen geben, daß sie keine Ausnahmeposition dem Mann gegenüber einnehmen möchte.

Die richtige Anrede

Ihr sprecht Euch untereinander mit „Du" an, Erwachsene machen das heute auch immer öfter. Die ältere Generation ist dies nicht gewöhnt und meist auch nicht davon begeistert. Bis der Erwachsene Dir das „Du" angeboten hat, sieze ihn bitte, also rede ihn mit „Sie" an Im übrigen: das angebotene „Du" vorläufig und freundlich (!) abzulehnen ist erlaubt; Zurückhaltung hat nichts mit „Eingebildet-sein" zu tun. Ein bekannter Spruch in dieser Beziehung ist: „man sagt einfacher „Du" A... als „Sie" A...

Für Erwachsene sei zu erwähnen, daß das einmal gewährte „Du" im allgemeinen nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, ohne jemand zu beleidigen.

Ausnahme: das Karnevals/Faschings- „Du" und das „Du" welches Dir von Einem unter starken Alkoholgenuß stehenden, spontan und ohne Hintergrund „angelallt" wird. Jemanden am nächsten Tag daran zu erinnern ist oft peinlich und bringt den Anderen in Verlegenheit. Außerhalb der vorher genannten Festsaison ist „Bruderschafttrinken" und der „Bruderschaftskuß" nicht mehr gerne gesehen.

In unserer Zeit, könnt Ihr Euch alle - untereinander bunt gemischt ( M >W, W >W, M >M) - küssen wann ihr wollt und damit die Freundschaft oder die Liebe füreinander zeigen, auch in die Öffentlichkeit, wenn ihr „bitte schön" Rücksicht nimmt auf die Gefühle von anderen und nicht so modern erzogenen, älteren Personen.

Lass Blumen sprechen

Blumen schenkt man nicht nur der Dame zum Debütantenball oder zum Geburtstag, es ist immer schön, Blumen zu schenken und mit Blumen zu sagen, daß Du jemand schätzt, dankst oder liebst. Es ist nicht altmodisch, Deiner Mutter des öfteren einen Strauß Blumen mitzubringen – auch wenn dafür im Moment kein direkten Anlaß besteht.

Heute schenkt man (auch der Mann) auch den Herren Blumen. Männer emanzipieren sich in dieser Hinsicht und freuen sich zunehmend auf ein blumiges Geschenk; vor allem, wenn er Nichtraucher ist und man ihm auch mit alkoholischen Getränken keine besondere Freude bereiten kann. Vorsicht: Rosen haben Dornen! Diese gehören an das lebende Gewächs und nicht als Schnittblume verschenkt.

Des weiteren sollst Du beim Schenken von Blumen folgendes bedenken: Die Blumen sollten bei der Übergabe sichtbar sein, also in transparentem Papier verpackt oder (im Winter) in Papier, welches Du vor der Übergabe wegnimmst oder wenigstens oben herum öffnest. Nicht sichtbar (also eingepackt) soll das Geschenk, das Päckchen als Überraschung gedacht sein. Es wäre sonst keine Überraschung mehr.

Blumen und Geschenke sind ein Zeichen von Freundschaft, von Respekt und von Liebe. Geschenke dürfen den Beschenkten nicht in Verlegenheit bringen. Im allgemeinen sagt man: Man sollte nicht mehr schenken, als der Beschenkte sich leisten kann. Das heißt nicht, daß Du jemandem beschenken sollst um etwas zurückzubekommen. Es heißt nur, das der Preis des Geschenkes nicht „aus dem Rahmen fallen sollte". Das Schenken von kleinen Aufmerksamkeiten oder Blumen bringt in unserer Kultur kaum einen in Verlegenheit.

Es gibt einen Spruch: „Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft".

Willst du mit mir tanzen?

Die Party steigt, es wird getanzt und die Erwartung steigt mit; Du möchtest all zu gern tanzen und dazu auffordert werden, oder vielleicht auch selber auffordern (aktiv statt passiv heißt die Devise).

Du kannst Deinen Wahl-Tanzpartner natürlich von weitem herbei winken, mit den Fingern pfeifen und wenn man sich schon zu ihr (oder „Sie" sich zu „Ihm") hinbemüht, kann man „den Auserwählten oder die Auserwählte" mit einem Ruck vom Stuhl reißen. Doch gerade die nettesten Mädchen und Jungs lassen sich nicht gerne als „tanzbarer Gegenstand" gebrauchen! Mädchen und Frauen setzen sich durch und „warten nicht mehr nur ab"; sie ergreifen die Initiative und fordern die „Männer" auf (oder lehnen auch oft ab).

Im Übrigen: Damenpaare sind seit „eh und je erlaubt; Freundinnen tanzen zusammen, da Frauenüberschuß herrscht (zu wenig „tanzfähige" Jungs) oder einfach nur aus Freundschaft und „Spaß an der Freude". Heute sind auch Männergruppen auf der Tanzfläche zu sehen. Was in Discos in der Stadt schon längst passiert, wird nun auch auf dem Land des öfteren gesehen und hat nichts mit „Schwulitäten" zu tun, wohl aber mit Freude am Bewegen bzw. am „Tanzen" und am Spaß miteinander (...just friends: Freunde unter sich).

Eine Verbeugung zu machen ist heute nicht mehr zeitgemäß (siehe auch das Thema Vorstellen und Bekanntmachen), aber freundlich bitten (und nicht erzürnen wenn sie höflich „im Moment nicht" sagt) darf nicht zu viel verlangt sein. Einmal zu Ende getanzt (überlasse das Beenden des Tanzvergnügens bitte dem schwächeren Partner; das ist nicht immer die Dame), bringt oder begleitet (der Herr „bringt", die Dame „begleitet") man den Partner wieder zum Platz und nicht „zum platzen",wenn man seinen Pertner/seine Partnerin einfach auf der Tanzfläche stehen lässt.Das ist taktlos.

Tanzen soll für beide ein Spaß sein, also tanze bitte was auch dem Tanzpartner Spaß macht. Beim Tanzen hat der Herr die Führung und somit auch die Verantwortung. Zwinge die Dame nicht zu Variationen und Folgen, die sie kaum beherrscht oder gar nicht kennt und vor allem, bringe Deinen Tanzpartner nicht in Verlegenheit durch eine schlechte oder gar zweideutige Tanzhaltung. Kurz: Egotripper, Fummler und Schlabbermäuse haben auf dem Tanzparkett nichts zu suchen. Diese „Partylöwen" und „Aufreißhasen" gehen mit ihrem „Saturday-night feeling" besser in die schummrig dunkele Disco.

Das richtige Outfit für jeden Anlass

Kennt Ihr den Spruch „Kleider machen Leute"? Jemand nur nach seiner Kleidung zu beurteilen, heißt meist „Vorurteilen ist Verurteilen". Aber es stimmt teilweise schon: „Kleidung macht viel aus, und manchmal doch Leute". Eine der größten Unsicherheiten stellt sich immer wieder, wenn man vor der Frage steht: „was ziehe ich denn heute an?" Da stehst Du vor dem gut gefüllten Kleiderschrank und weist nicht was Du anziehen sollst. Auch hier gibt es einige Regeln.

Wir unterscheiden zwischen sportlicher Kleidung (Freizeitkleidung), eleganter Kleidung (mal schick gekleidet irgendwo hin), Geschäftskleidung (oft abhängig von dem, was der Chef vorschreibt) und Gesellschaftskleidung (das Kleiden nach (Veranstaltungs-)Vorschrift oder Protokoll.

Einige Beispiele

Sportliche Kleidung
Dame: Sportkleidung, Sportschuhe, „Buffalo´s", Jeans, kurze oder lange Hosen, Hemden, Pullover, usw.
Herr: Jogginganzüge, Basketballschuhe, T-Shirts, Kurze oder lange Hosen, Hemden über der Hose, Jeans, Sweetshirts, Pullover.

Elegante Kleidung
Dame: Hosenrock und Hosen aus edlen Materialien, Blusen, Westen, Röcke, Lederschuhe.
Herr: Stoffhosen, Lederschuhe, Hemden in der Hose, leichte Pullis oder Westen, evtl. Krawatte und Sakko.

Geschäftskleidung
Dame: Niemals Hosen dafür immer Röcke, Blusen, Anzüge, elegante Lederpumps.
Herr: 2 oder 3-teilige Anzüge, Hemden ohne Muster, Krawatte, Lederschuhe.

Gesellschaftskleidung
Dame: „Kleines Schwarzes" (ein einfaches schwarzes Kleid von eleganten Schnitt), Coktailkleid (kurzes Abendkleid für den Tag), Abendkleid (mittellanges oder langes Kleid oder Bluse mit knöchellangem Rock aus elegantem Stoff), Ballkleid (opulentes Kleid von feinstem Material).
Herr: 2 oder 3-teiliger dunkeler Anzug, Dinner Jackett (helles Smokingjackett, dunkele Hose) Smoking (dunkler Anzug mit seidenen Applikationen am Jackett und an der Hose), Frack (Jackett mit langem Rückenteil und Westenfront).

Das waren einige wichtige Kleiderregeln zu bestimmte Anlässen. Die Mode weicht manchmal von der Grundlinie ab, aber richtig modisch gekleidet, geht Ihr sowieso am besten nur im privaten Bereich, außer wenn der Chef nichts dagegen einzuwenden hat! Viele Jungs tragen während ihrerTanzschulzeit zum ersten Mal ein Sakko.

Für die gilt der folgende Rat: Beim Aufstehen soll das Jackett geschlossen sein (hat das Sakko drei Knöpfe, schließt Du nur den mittleren Knopf; hat das Jackett vier Knöpfe, schließt Du die zwei mittleren Knöpfe; hat das Jackett zwei Knopfreihen (Überschlag), dann schließt man die zwei unteren Knöpfe (und vorher den Knopf an der Innenseite vom Jackett). Möchtest Du Dich setzen, dann öffnest Du den Knopf oder die Knöpfe wieder.

Im Übrigen: Wie beim Stehen und Gehen soll auch beim Tanzen das Sakko immer geschlossen sein. Ausnahme: Eine Gartenparty, da sieht man´s nicht so eng.

Bedenke folgendes: In viele Situationen bleibt es Dir überlassen, was Du wohin anziehst; das heißt, Du kannst anziehen wonach´s Dir gerade ist. Doch im Geschäftsbereich oder auch bei gesellschaftlichen Veranstaltungen wird auf die richtige Kleidung gesteigerten Wert gelegt! Hier ist „Anpassung" gefragt. Wenn Du Dir in bestimmten Situationen unsicher bist, frage jemanden, der Bescheid weiss.

Mit Freunden unterwegs

„Ausgehen", „um die Häuser ziehen", „einer Trinken gehen", „´ne Sauftour machen", „Mädels aufreißen", usw. ...

Man verabredet sich Zuhause oder gleich in der Stadt. Wenn Du jemanden abholst, ist es anständig, wenn Du Sie oder Ihn auch wieder nach Hause bringst.
Habt Ihr Euch in der Stadt verabredet, dann heißt es, pünktlich sein damit keiner auf der Straße zu warten braucht. Habt Ihr Euch in eine Gaststätte verabredet, dann wartet noch ein wenig mit der Getränkebestellung, bis auch der Andere eingetroffen ist. Kommen die Gäste herein, so begrüßt man sich im Stehen; die Mädels ( und jung gebliebene Damen ) bleiben bei der Begrüßung sitzen.

Wer bezahlt für wen? Ein schwieriges und manchmal heikeles Thema. Heute bezahlt jeder für sich. Möchte das Mädchen selber zahlen, so ist dies selbstverständlich. Wenn Du jemanden zu einem Getränk, zum Essen oder zu sonst etwas einladen möchtest, dann sage bitte deutlich dazu: „Darf ich Dich zu ..... einladen. Jetzt weis der andere, daß er eingeladen ist und kann diese Einladung annehmen oder auch freundlich ablehnen.

Haben Deine Freunde wenig Geld zu Verfügung, dann ist es schön, wenn Du sie mal zu etwas einlädst. Doch bedenke: Manche fühlen sich verpflichtet, etwas zurück zu geben und diese „Verpflichtung" könnte einen in Schwierigkeiten bringen. Wenn Du mehr Geld als Deine Freunde zur Verfügung hast und dies aufrichtig mit ihnen teilen möchtest, ist das o.k. Erwähne im passenden Moment, daß Du keine Gegenleistung erwartest; oft ist das nette Zusammensein Gegenleistung genug.

Tischsitten

„Tischsitten" - das ist ein unerschöpfliches Thema für sich. Die „Wilden" - oder was wir dafür halten - essen mit den Fingern, der „Mensch" ißt mit Besteck. Doch selbst die Wilden passen sich an, wie ein alter Kindervers weiß: „Immer hält der Menschenfresser, wenn er seine Beute frißt, links die Gabel, rechts das Messer, weil er gut erzogen ist !" „Die Erziehung" macht also den Menschen aus uns.

Die wichtigsten Regeln und Tipps

  • Beim Tischdecken gehört das Messer immer an die rechte Seite des Tellers, eine Serviette gehört im Dreieck gefalltet darunter oder schön aufgemacht auf den Teller. 
    Die Gabel gehört an den linken Tellerrand; ein Suppenlöffel gehört rechts neben das Messer, ein Nachtischlöffelchen legt man oben vor den Teller mit der Griff nach rechts. 
    Das Glas oder die Gläser stehen rechts über der Messerspitze. Teller und Messer für das Brot und der Salatteller stehen links neben der Gabel

  • Man fängt erst mit dem Essen an, wenn jeder am Tisch sein Essen bekommen hat. Man nimmt die leeren Teller erst weg, wenn jeder fertig gegessen hat. Rauchen ist nur erlaubt, wenn jeder am Tisch die Mahlzeit beendet hat.

  • Das Messer (wie auch der Löffel) gehörn in die rechte- die Gabel gehört in die linke Hand. Messer gehören niemals in den Mund! Das wäre sehr gefährlich!Das Messer dient nur zum Schneiden z.B. des Fleisches und als Hilfe um z.B. Gemüse wie Erbsen und Pilze auf die Gabel zu schieben. Beim Weiterreichen eines Messers reichen wir das Messer nie mit der Klinge voran um Verletzungen beim Empfänger vorzubeugen.

  • Wenn man nur mit der Gabel ißt (z.B. Salate), dann gehört das (benützte) Messer auf den rechten Tellerrand oben und das freie Handgelenk auf dem Tisch.Größere Stücke werden an die Gabel gesteckt, kleine Teile, Gemüse und alles was man nicht richtig stecken kann wird mit dem Messer auf die Gabel geschoben und dann zum Mund gebracht - niemals wird der Mund zum Bissen geführt! 

  • Man sitzt gerade am Tisch und nicht tief über den Teller gebeugt. Nicht zu große Stücke „hinein schieben", schneiden heißt die Devise um passgerechte Portionen zum Mund zu bringen und dabei braucht keiner zu hören, daß es Dir schmeckt; das Schmatzen ist (in unserer Kultur) nicht erwünscht. Ellenbogen gehören nicht auf den Tisch. Die Hände und Unterarme wohl; diese gehören nicht unter den Tisch. Muß Du (hoffentlich eine Ausnahme) etwas aus dem Mund wieder auf den Teller zurück befördern, dann nur mit der Gabel oder dem Löffel, haltet die Hand davor, damit die Tischgenossen das Schauspiel nicht mitgenießen. Nur kleine und feine Gräten darf man (unauffällig) mit dem Finger aus dem Mund entfernen.

  • Die Serviette legt man vor dem Essen auf den Schoß, sie wird benützt, um den Mund , bevor man etwas trinkt (damit die Gläser nicht zu fettig werden) und wenn man mit Essen fertig ist. Eine Serviette ist kein Handtuch. Steht neben Euerem Teller (immer Links) ein Wasserschälchen (warmes Wasser mit einen Scheibe Zitrone -entfettend-) z.B. in einem guten Restaurant beim Verzehr von Speisen, die man teils oder sogar ganz mit den Fingern essen darf (Geflügel, Spargel, Hummer u.a.), dann darf man die Serviette als Fingertuch (nicht als Handtuch) verwenden. Stoffservietten werden während der ganze Mahlzeit verwendet und werden zwischen den Gängen nur zeitweise gefaltet rechts neben dem Teller abgelegt. Papiersevietten werden (nach Benützung) links neben den Teller gelegt.

  • Wenn man mit dem Essen fertig ist, legt man Messer und Gabel parallel nebeneinander rechts zur Seite auf den Teller; könnt Ihr noch einen Bissen vertragen, so legt das Besteck auseinander (gekreuzt) auf den Teller (nicht auf die -hoffentlich noch- saubere Tischdecke. Es wird dann nochmals nachgereicht. Am Arbeitsplatz kann man auch mal „mit-der-Hand-essen", man sollte aber nicht den Anderen den Appetit verderben durch z. B. unsaubere Hände. Trinken aus der Flasche mag vielleicht „Cool" aussehen ist aber keine gute Sitte.Wie auch das Abwischen vom Mund mit den Händen keinen gute Sitte ist.

  • Seid den Tischnachbarn behilflich mit dem Zureichen von Schüsseln, Flaschen oder Pfeffer und Salz; reiche niemals weit über den Tisch am Tischnachbarn vorbei. Bist Du in fremder Gesellschaft und fühlst Dich unsicher, so ist das keine Schande; bestelle etwas, was Du kennst und wovon Du weißt, daß beim Essen keine Probleme auftauchen. Bist Du mit gute Freunden oder mit Deiner Familie unterwegs, bestelle am besten etwas, was Du noch nicht kennst und probiere soviel wie möglich - für Dich fremde - Speisen aus. So lernst Du neue Sachen kennen und schätzen und Dein Unwissen über die (vielleicht ungewohnte) Essenstechnik bringt Dich bei einer späteren Einladung nicht in Verlegenheit.

Die Tischetiketten sind ausführlich und nicht für jedermann leicht zu erlernen. Es gibt heute so viele neue internationale Gerichte und dazu kommt noch,daß das „Essen gehen" nun auch in Deutschland eine wichtige soziale Komponente in der Gesellschaft ist. Eine gleich wichtige Stelle nimmt das Geschäftsessen ein. Gute Tischmanieren entscheiden oft über einen neuen Auftrag oder sogar über einen neuen Job. Möchtest Du nicht unangenehm auffallen, dann sehe zu, daß Du die Tischsitten und Essenstechniken kennst, nachlebst und pflegst; „Übung macht der Meister !"

Gerade auch im Ausland wird oft auf gute Manieren Wert gelegt. Beachte: „In fremden Ländern gibt es fremde Sitten"

Das Trinkgeld

Bei uns ist das geben von Trinkgeld üblich. „Trinkgeld" ist eine freiwillige Leistung! In Deutschland ist 10-15% Bedienungszuschlag in der Verzehrrechnung mit aufgenommen.

Wenn Du aber der Meinung bist, man hat Dich sehr zuvorkommend und freundlich bedient, dann kann man nochmals 10-15% Trinkgeld „springen lassen". Im Normalfall reicht es, der Bedienung bei Beträgen über 5,- Euro die Summe von 0,50 Cent, und bei Beträgen von 25,- Euro und mehr die Summe von 2,50 Euro in die Hand zu drücken.

Für diejenigen, die noch sehr jung sind, gehört es sich nicht, größere Beträge als Trinkgeld zu überreichen. Den „dicken Max" mit zu reichlichem und dazu vielleicht noch lässig hingeworfenem Trinkgeld zu ;markieren" imponiert weder den Mädels und schon gar nicht der Bedienung. Und das gilt nicht nur für Jugendliche. Ein kleines Trinkgeld (siehe oben) und „Danke für die nette Bedienung" macht da bei beide Seiten mehr Eindruck.

In der Vergangenheit war stets der Herr der Dame behilflich beim Aus- oder Anziehen der Jacke oder des Mantels. Auch heute ist dies ein guter Brauch.

Wundere Dich nicht, wenn die emanzipierte junge Frau von heute dies nicht mehr unbedingt wünscht (siehe auch nochmals das Thema: Rechts vor Links). „Mal ehrlich, soll Sie sich doch selber mit dem Ärmel herum ärgern !" (...oder sogar dem Herrn - an ihre emanzipierte Seite - mal behilflich sein mit seinem Sakko oder seiner dicken Daunenjacke zurecht zu kommen).

Schreiben ist in

Da gibt es einen Spruch: „Wer schreibt der bleibt" und die Post sagt: „schreib´mal wieder...!" Wir sind der selben Meinung. Ein nettes Kärtchen schicken vom Urlaubsort aus oder einfach nur so..., eine liebe Nachricht oder einen Brief, eine Glückwunsch- oder Beileidskarte..., das wird von jedem gern gesehen und geschätzt.

Die Spezialgeschäfte bieten heute Kartenständer, sogar Wände voller Karten für jede Gelegenheit. Schreibst Du´ne Karte oder einen Brief, vergesse das Datum nicht. Schreibe als Absender Deine Anschrift sowohl im Brief, als auch hinten auf den Umschlag und ist Dein (Liebes)Brief „nur für die Eine" gedacht so schreibe über oder hinter den Namen auf dem Umschlag „Persönlich".

Privater Briefwechsel kann mit „Bester Andreas..." oder Liebe Andrea..." anfangen, Geschäftsbriefe fangen grundsätzlich mit: „Sehr geehrter Herr ...," oder Sehr geehrte Frau ...," an. Schreibst Du an eine Abteilung oder an Dir unbekannte Personen, so schreibst Du: „Sehr geehrte Damen und Herren," Danach folgt ein Leerabsatz.

Das erste Wort vom ersten Satz des eigentlichen Textes wird immer klein geschrieben (Ausnahmen: Namen usw.). Verwende des öfteren Leerabsätze z.B. zwischen den diversen Themen. Das lockert das Bild ein wenig auf und macht vieles verständlicher. Beendet wird ein Geschäftsschreiben: „Mit freundlichen Grüßen".

Im Büro

Hier gelten unter Umständen besondere Regeln. Diese werden von der Abteilung oder vom Chef erklärt; allgemein gültig aber ist:

Ein freundliches „Guten Morgen" wenn man herein kommt.Pünktlichkeit ist eine Selbstverständlichkeit und solltest Du einmal zu spät kommen, so entschuldige Dich beim Vorgesetzten. Regelmäßig zu spät am Arbeitsplatz erscheinen, kann die Kündigung nach sich ziehen.Erfolg im Beruf ist nicht nur von der Leistung abhängig, es gehört mehr dazu: Takt und Rücksicht gegenüber Kunden, Kollegen, Mitarbeitern und Vorgesetzten.Die weiblichen Mitarbeiter und Kollegen werden heute rechtlich besonders geschützt, gegen anzügliche Bemerkungen und „Anmache" von Seiten der Herren. Für einige vielleicht selbstverständlich, für die anderen heißt es: „Finger weg und keine blöde Sprüche...!"Auch sexistische Witze haben am Arbeitsplatz im Beisein von Mädchen und Damen nicht zu suchen.

Ein neues Phänomen der letzten Jahre ist „Mobbing". Es heißt: das Behindern, beleidigen und psychisch „fertig machen" von Mitarbeitern und Kollegen. Meist zwecks Verbesserung von der eigenen Position im Betrieb. Wenn erforderlich, schützt Euch; „Mobbing" ist strafbar und soll umgehend an Vorgesetzte gemeldet werden.

Das Allerletzte

„Keiner weiß alles", aber Ihr wißt jetzt schon etwas mehr als die anderen! Zum Vorangegangen möchten wir Euch noch folgendes sagen, teils sogar wiederholen:

Egoismus ist „OUT", ein wenig Rücksicht und etwas mehr Überlegung bei dem, was Ihr sagt und tut, ist wichtig und bei allen letztendlich „Mega-in"!Ihr jungen Leute untereinander habt ein anderes Wertebewußtsein als die ältere Generation und die „Gruftis". Nicht alles, was Ältere sagen, ist unbedingt richtig, aber auch nicht alles ist falsch; viel Wissen kommt durch Erfahrung und Erleben.Sich korrekt benehmen ist wieder modern, und die Älteren freuen sich über Euer Wohlwollen und Engagement. Behandelt Eurer Gleichaltrigen mit Respekt und freut Euch über Freundschaften und das Zusammensein.Alleinsein heißt oft Einsamkeit. Behandelt die älteren Menschen in Euerer Umgebung auch mit Respekt und verhaltet Euch korrekt, wenn erwünscht, nach den heute gültigen Umgangsformen. Somit werdet Ihr allen gerecht und selber fährst Du am besten dabei...!

Tja... das Leben ist voller Vorschriften und Regeln. Das bringt uns zu unserm letzten Spruch: „Ausnahmen bestätigen die Regel". Stimmt das denn überhaupt?

Doch... Manchmal darf man sich auch mal daneben benehmen oder einfach mal querschießen (auf eine charmante Weise, bitte schön!). Aber bis Ihr soweit seid, sollt Ihr die Vorschriften und Regeln erst mal kennen und vor allem beherrschen!

Wir wünschen Euch viel Spaß beim erlernen weiterer positiver Verhaltensweisen und viel Glück und Erfolg im Leben!!!

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